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Die Gegend um den Nahuel Huapi See 1500 1850Seit Beginn der europäischen Eroberung und Besiedlung und bis zum Wüstenfeldzug (“La Conquista del Desierto”, 1879-1885) General Rocas, der dem in voller wirtschaftlicher Expansion befindlichen Argentinien weite, den indigenen Bewohnern geraubte Landstriche einverleibt, wurde die Region um den Nahuel Huapi am östlichen Hang der Anden nur sporadisch besucht. Erst waren es Spanier, später Chilenen, die von der pazifischen Seite herüberkamen. Hauptmann Juan Fernandes entdeckt den Nahuel Huapi See während eines “Streifzuges” vom pazifischen Ozean aus im Jahre 1620. 1670 gründen aus der Insel Chiloe stammende Jesuiten die “Mission Nahuel Huapi” (Pater Mascardi), die nach einem sporadischen und wechselnden Schicksalen ausgesetzten Bestehen 1717 mit der Ermordung des Paters Elguea endete. Hierüber berichtet Biedma: “Die Kaziken lebten nur im Winter in Häusern und verließen sie im Frühjahr. Ihre Lebensweise als Jäger bedingte ihr Nomadendasein, und die guten Absichten der Patres kollidierten mit dem überlieferten Brauchtum“. (Biedma, 2003 S. 41). Auch die eigentliche Besiedlung Süd Chiles durch Europäer begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Ankunft der ersten deutschen Einwanderer in Valdivia und der Gründung der Stadt Puerto Montt im Jahre 1853. Die deutsche Besiedlung im Süden Chiles 1850 1900Mit der Ankunft der ersten Einwanderer in Valdivia (am 29. Juni 1850 mit dem Schiff “Hermann“, der “Mayflower“ der deutschen Besiedlung, Jean P. Blancpain, S. 53) und mit sendungsbewussten Führerfiguren wie Karl Anwandter, begann der Kolonisierungsprozess im Süden Chiles. Mit einem Gemisch aus “Staunen und Grauen” sehen sich die deutschen Handwerker und Bauern der gechlossenen Front des Urwalds gegenüber. Die Siedlergruppe bestand aus jungen Einwanderern mit Schulbildung samt ihren Familien. Schätzungsweise 30.000 Immigranten deutscher Herkunft kommen von diesem Zeitpunkt an bis Anfang des 20. Jahrhunderts in die Gegend. Sie gestalten den Süden Chiles vollständig um, und es entsteht eine Elite aus Großgrundbesitzern, Industriellen und Händlern. Wie ein russischer Reisender 1895 bemerkt: “Die Deutschen hier sind in der Minderheit, aber geben überall den Ton an”. Von anderer Seite stammt die Aussage aus dem Jahr 1910: “Die Deutschen hier sind alle reich” (Blancpain, 1985, S.116). Wie andernorts in Amerika bestimmen auch hier Sprache und Religion die Identität dieser Einwanderer. “Der evangelischen Kirche gehört meine Vorliebe”, schreibt 1854 ein Siedler, “weil ihre Gottesdienste in meiner Sprache abgehalten werden”. Fritz Gaedickle, Siedler am See Llanquihue, gibt zu verstehen: In der Sprache “bewahrt sich unsere Lebensart, sie ist das Rückgrat unseres Brauchtums, und wer immer sie nicht beherrscht, schliesst sich aus der Gemeinschaft aus“ („mit unserer Muttersprache steht und fällt unser Deutschtum”) (Blancpain, 1985, S.189). Zwischen 1880 und 1914 entsteht ein Netz von 30 deutschen Schulen. Ihre Zielsetzung im Jahr 1890 war: „Aus den Kindern die besten Bürger ihres neuen Heimatlandes zu machen unter Bewahrung von Sprache, Sitten und Glauben ihrer Väter, vereint im Andenken an ihr Ursprungsland, nach dessen Ehre sie beständig trachten“. Blancpain schreibt in seinem interessanten 8. Kapitel mit dem Titel „Das geistige Niveau, Nationale Identifikation und kulturelle Tradition“ (1985), dass gegen Ende des 20. Jahrhunderts sich die Zeiten geändert haben: In seinem interessanten 8. Kapitel schreibt der Autor: “Heutzutage, nach vier oder fünf amerikanischen Generationen ist die Erinnerung an das Ursprungsland undeutlich geworden. Die psychologische Dimension der Deutschen Schule hat sich gewandelt, und es stellen sich unmittelbarere Fragen als diejenige nach dem Erhalt einer Tradition“ (Blancpain, 1985, S.192). Auf diese interessanten und aktuellen Überlegungen kommen wir am Ende des vorliegenden kurzen Essays zurück. Ende des 19. Jahrhunderts “haben sich die Deutschen von Puerto Montt und den Kolonien vom See Llanquihue darum bemüht, einen Pass über die Anden ausfindig zu machen, der Ihnen die Ausweitung des Siedlungsgebietes nach den östlichen Regionen ermöglichen würde. Der Handel mit dem ausserandischen Patagonien versprach gute Gewinne” ( Biedma, 2003, S. 62 ) . Die Gegend um den Nahuel Huapi See 18501900 Ab Mitte des 19. Jahrhunderts mehren sich die Erkundungsreisen vom Pazifik (Chile) her in diese Gegend. Kundschafter und Siedler aus den deutschen Kolonien versuchen, den Handel in die ausserandischen Gegenden Patagoniens auszuweiten: Fonck und Hess im Jahre 1856, Cox im Jahre 1862 und Mitglieder der Grenzkommission bis Ende des Jahrhunderts (Hans Steffen, 1895). Vom Atlantik (Argentinien) her wird die Gegend, um die es hier geht, von dem Kundschafter George Chaworth Musters aufgesucht, der mit einer Gruppe Tehuelches von der Magellanstrasse her anreist (Musters, 1871). Auch der unermüdliche argentinische Erkundungsreisende Francisco P. Moreno erreicht den See Nahuel Huapi im Jahre 1876 (Moreno, 1879). Dennoch bleibt die Gegend wie schon in den vorherigen Jahrhunderten Territorium der eingesessenen Bevölkerung. Erst mit dem “Wüstenfeldzug”, der 1879 anfängt und 1885 mit der Kapitulation des großen Kaziken "manzanero" Valentin Sahihueque endet, beginnt die eigentliche europäische Landnahme. Zahlreiche Bewohner der angestammten Bevölkerung leben weiterhin verstreut über die ganze Region, unter ihnen die "Millaqueo", die "Huenul" und die "Huenchupan" (Biedma, 2003, S. 151 und 152 ). Hinsichtlich der europäischen Kolonisierung unterscheidet derselbe Autor klar zwei Migrationströme, die in der Region zusammenlaufen: Der erste aus dem Westen, bestehend aus indigenen Einwohnern der Insel Chiloe, den Nachkommen früherer Einwanderer Chiles (sog. Criollos) und Deutschen oder DeutschChilenen aus der Siedlung von Llanquihue. Aus ihm gingen Kleinbauern, Landarbeiter, Arbeiter und HändlerUnternehmer hervor. Der andere Einwanderungsstrom aus dem Osten, zu Anfang schwächer als der erste, setzte sich aus Argentiniern, Schweizern, Deutschen, Spaniern, Franzosen, Italienern und Angelsachsen zusammen und zzielte auf die Dörfer und grossen Landgüter ab (Biedma, S.150). Jarred Jones, ein nordamerikanischer "Cowboy", etabliert sich 1889 nördlich des Sees und beginnt zu Anfang der 90er Jahre, zusammen mit anderen Bewohnern verschiedener Herkunft mit der Viehhaltung in der Region. Deutsche aus dem Süden Chiles, Siedler und Händler wie Tauscheck (1892), Goedecke (1895) und Wiederhold (1895) lassen sich am Seeufer nieder und richten den Handel der Region während ca. 20 Jahren nach der anderen Seite der Anden aus. Die Volkszählung von 1895, durch Vallmitjana vollständig überliefert, beziffert 76 Einwohnern am Südufer des Nahuel Huapi. Dieser Autor fügt auch den Bericht von Enrique Neil hinzu, der im selben Jahr weitere 24 Einwohner am nördlichen Ufer des gleichen Sees aufführt. Basierend auf dieser Information ist die Feststellung interessant, dass sich am südlichen Ufer fünf deutschstämmige Siedler vorfinden, während am nördlichen Ufer vier Nordamerikaner und zwei Engländer wohnen (Vallmitjana, 2003). Die von Wiederhold am Südufer gegründete Niederlassung wird den Namen “San Carlos” tragen und wird in naher Zukunft Teil eines ausgedehnten Handelsnetzes, das die Regionen östlich der Anden mit den Kolonien von Llanquihue (Chile) verbindet. Gegen Ende des Jahrhunderts tragen kleine Dampfschiffe, Hotels an strategischen Orten und weitere Verbesserungen entlang der Wege dazu bei, dass die Reise von Puerto Varas bis zum Nahuel Huapi See sich in fünf Tagen bewerkstelligen lässt. Die Nachfolgefirma Wiederholds, Hube & Achelis, berichtet, 60 Reisen über diese transandine Route im Jahre 1900 realisiert und 300 Tonnen Wolle vom Nahuel Huapi aus exportiert zu haben, wobei im gleichen Zeitraum 93 Tonnen diverser Handelsgüter von Chile herüberkamen (Vallmitjana, 2003, S.18). Im Laufe der Zeit wandelt sich die Wiederholdsche Niederlassung zur künftigen Stadt Bariloche.
Landnahme und kolonisatorischer Siedlungsausbau am Nahuel Huapi 19001940 Von Anbeginn der europäischen Besiedlung bilden sich, laut Biedma, drei Tendenzen bzw. Bevölkerungspolitiken heraus, die sich im Verlauf der gesamten Geschichte der Region konsolidieren und nebeneinander besehen: Die erste legt den Akzent auf die landwirtschaftliche Entwicklung mit der Gründung der land und weidewirtschafltichen Kolonie Nahuel Huapi (Colonia Agrícola Pastoril del Nahuel Huapi) im April 1902; die zweite , die den Wert der Region als Naturreservat herausstellt und mit der Schenkung von Moreno den Nationalpark Nahuel Huapi im Jahr 1904 ins Leben ruft, die Erlasse von 1907 und 1922 initiiert, die sich auf die Schaffung des Nationalparks Süd beziehen, sowie die die Inkraftsetzung des Gesetzes 12103 von 1934 durchsetzt; drittens schliesslich die turistische, deren Aufschwung bereits zu Beginn des Jahrhunderts sichtbar wird, obgleich der eigentliche Beginn in die dreissiger Jahre fällt im Zusammenhang mit der Entwicklung des Nationalparks. In einer Veröffentlichung des Jahres 1904 ist zu lesen: “Reisende und Touristen, die die beeindruckenden und malerischen Landschaften eines Teils der andinen Territorien Chiles und Argentiniens kennenlernen möchten, die zurecht die chilenische und argentinische Schweiz genannt werden, finden in dieser Broschüre die Ansichten und Landkarten dieser bezaubernden Reise”. Laut Biedma bestand Bariloche in 1898 aus fünf von Zypressen und Maitenbäumen umgebenen Häusern am Ufer des Sees. Im Jahre 1904 waren es schon fast fünfzig und in den zwanziger Jahren zählte das Städtchen mehr als zweihundert Häuser mit mehr als tausend Einwohnern (Naumann, 1996, S.95). Eines Berichtes von Wickenburg aus dem Jahr 1924 zufolge, war ein Drittel der Einwohnerschaft deutscher Abkunft und der Rest setzte sich aus diversen Herkünften zusammen. In der dreissiger Dekade wuchs die Bevölkerung bereits auf ca. 3000 an, von denen – nach Ljunger (1959) – knapp ein Viertel deutscher Abkunft waren, ein weiteres Viertel aus „Eingeborenen“ bestand, und der Rest sich auf Chilenen und Argentinier verschiedener Herkunft verteilte. Eriksen hebt die interessanten Teile der Volkszählung Ljungers von 1933/34 hervor, die nach ausschliesslich rassisti schen Gesichtspunkten erfolgte (Eriksen, 1970, S.118). Von Bedeutung ist die Tatsache, dass in den Volkszählungen der Region, die in Chile und Argentinien ansässigen Deutschen als Chilenen bzw. Argentinier gezählt wurden. Viele von ihnen sprachen jedoch weiterhin Deutsch und behielten die kulturellen Bräuche ihrer europäischen Großeltern bei (Eriksen, 1970, S.117 und 119). Während vieler Jahre wurde die Gründung Bariloches auf Wiederholds Ankunft am See zurückgeführt und auf 1895 datiert, bis man sich in späteren Jahren auf die offizielle Gründung vom 3. Mai 1902 ei nigte, dem Tag, an dem die Regierung per Dekret 400 Hektar Land für die Errichtung der Stadt San Carlos de Bariloche auf dem Gebiet Rio Negros zur Verfügung stellte. Dennoch wurde noch im Februar 1925 der 30. Jahrestag der Stadtgründung aufwendig gefeiert in klarer Anspielung auf das Jahr 1895. In einem Schreiben aus dieser Zeit heisst es: “Auf Initiative von Primo Capraro schmükkte sich das ganze Städtchen mit Fahnen, ein feierliches Tedeum wurde in der Pfarrkirche abgehalten, danach fand ein ländliches Mittagessen in Oscar Runges Hausgarten statt, und bei diesem Anlass war Herr Carlos Wiederhold der Ehrengast und hielt eine Ansprache, in welcher er auf den Ursprung der Besiedlung abhob“ (Biedma, 2003, S.171). Von dem Essen auf dem Grundstück von Runge hat sich eine Fotographie erhalten (Archiv Enrique Luhr), die sich in Vallmitjanas Buch findet (Vallmitjana, 1995, S.84 ). Die Fotos aus dieser Epoche zeugen von einer kleinen, etwas vom Rest des Landes abgeschnittenen Ortschaft, mit beinahe familiärem Charakter. Wichtige Daten für die Region in diesen ersten Jahrzehnten sind: Die Schaffung der „ChileArgentinien Gesellschaft für Handel und Viehhaltung“, Nachfolgerin der Firma von Hube und Achelis aus Puerto Montt, die Einrichtung der Zollstation (1920), die grossen Einfluss auf den Handel mit Chile ausübt, die Eröffnung einer Filiale der Staatsbank (Banco Nación) im Jahre 1922, die 1932 erfolgte Gründung des “Andenvereins Bariloche” (Club Andino Bariloche) durch Otto Meiling, Dr. Juan Neumayer, Ingenieur Frey und Reinaldo Knapp (Bachmann, 2000, S.36), die effektive Einrichtung des Nationalparks (1934), die Herstellung der Zugverbindung mit Buenos Aires (1934) und die Eröffnung des imposanten Hotels Llao Llao in 1938 und des Gebäudekomplexes der Stadtverwaltung Bariloche (Centro Civico) in 1940 während der Amtsperiode Exequiel Bustillos an der Spitze der Nationalparkadministration. Der Besuch “prominenter” Touristen, wie der des ehemaligen Präsidenten der USA, Theodor Roosevelt, in 1913, des nordamerikanischen Generals José Pershing in 1925 und des englischen Thronfolgers in 1931, trugen bei zum Bekanntheitsgrad der Gegend als Resieziel des internationalen Turismus. Im Anschluss an die letztgenannte Dekade beginnt ein anhaltend hohes demografisches Wachstum. Ausschlaggebend dafür ist ein neuer Zustrom europäischer Einwanderer um die Mitte des Jahrhunderts, der sich widerspiegelt in der Geschichte des deutschen Bevölkerungsanteils und seiner Schule, sowie die wachsende Zuwanderung aus anderen Landesteilen und aus dem inneren der Provinz, die sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts noch verstärkt. Die Gegend um den Nahuel Huapi See 1940 2003Eine 1988 erschienene Veröffentlichen beschreibt die Stadt wie folgt: “Bariloche ist stark zentraleuropäisch geprägt; die Mehrheit der ersten Einwanderer stammen aus der Schweiz, Deutschland und Norditalien. Im Zusammenspiel verleihen sie der Stadt einen alpinen Charakter, mit schweizerischen Haustypen, FondueRestaurants und Schokoladenmanufaktur. „Eines allerdings gibt zu erkennen, das man sich nicht in der Schweiz befindet: Nur sehr selten sieht man Schiffe auf dem immens grossen See Nahuel Huapi, nach dem Verlassen des Stadtbereichs verlieren sich die Strassen in der Weite der Landschaft, und bei Nacht sind keine Lichter am anderen Ufer des Sees zu sehen” (Schulz, 1988, S. 301). Wenngleich diese Beschreibung aus der zentraleuropäischen Verwurzelung zu Beginn des Jahrhunderts und der ausserordentlichen Schönheit der umgebenden Landschaft resultiert, die unverwechselbaren Charakterzüge der Stadt entstehen mit der Zeit als Folge des in den 40er Jahren einsetzenden anhaltenden Bevölkerungswachstums. In der Volkszählung von 1947 liegt dei Einwohnerzahl bereits bei 6562. Eine neue Einwanderungswelle während der fünfziger Jahre von Deutschen, Italienern, Slowenen, und Kroaten aus einem infolge des zweiten Weltkrieges hoffnungslosen Nachkriegseuropa summiert sich zu der internen Migration, was die Einwohnerzahl 1960 auf 15.995 steigert. Von da ab verdoppelt sich die Bevölkerung im Verlaufe der nachfolgenden Zählungen bis zum Ende des Jahrhunderts: 1970 sind es 24205, 1980 51268, 1991 77.600 Einwohnern und Ende des Jahrhunderts wird die Stadt bereits die Schwelle von 100.000 Einwohner überschritten haben. All dies “ist hauptsächlich auf die internationale und interne Zuwanderung zurückzuführen. 1991 verzeichnet Bariloche laut statistik 15% Einwohner ausländischer Herkunft, wohingegen diese auf nationaler Ebene nur 5% ausmachen ” (Acevedo, Del Popolo, 1994). In den letzten Jahrzehnten hängt das Wachstum auch mit der Landflucht aus dem Inneren Patagoniens zusammen und erhöht beträchtlich die Anzahl der indigenen Bevölkerung (Mapuche) in den Vororten der Stadt. Einige wichtige historische Meilensteine dieser Jahrhunderthälfte sind: Die mit der Landung des ersten regulären Fluges von LADE im Jahre 1940 beginnende Öffnung für den Luftverkehr; die Entwicklung des Skisports ab den 40er Jahren mit dem Eintreffen des von der Nationalparkverwaltung im Jahre 1938 beauftragten österreichischen Skifahrers Hans Nobl, die Inbetriebnahme des ersten Skilifts und der Bergstation “Lynch” (1946) an den Hängen des Berges Catedral; die Experimente des Österreichers Ronald Richter auf der Insel Huemul (19491952), die 1955 zur Gründung der Lehranstalt “Balseiro” für Physik und Nukleartechnik des Atomforschungszentrums Bariloche (Centro Atomico Bariloche) führen; die Einrichtung der musikalischen Bildungsanstalt „Camping Musical“ in 1951, die – inspiriert durch die deutsche Pianistin Linda Rautenstrauch in den sechziger Jahren zur Entstehung des Kammermusikensembles „Camarata Bariloche“ führt; Die Gründung des INVAP im Jahre 1976, eines argentinischen Technologieunternehmens, das das technologische Profil der Stadt in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts wesentlich mitprägt; der Besuch des nordamerikanischen Präsidenten Dwigth Eisenhower (1960), des Schah Mohamed Reza Pahlevi von Persien und seiner Frau Farah Diba (1965) und Bill Clintons (1997) in Fortführung der Tradition der “Prominentenbesuche” der Region. Auch der Kauf großer Ländereien durch Unternehmer und Prominente wie Ted Turner (CNN) erhöhen den internationalen Bekannheitsgrad der Gegend im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts (Biedma, 2003, S. 207 bis 260; Schulz, 1995, S. 151 bis 179). Vom Gemischtwarenladen Wiederholds von 1895 hat sich San Carlos de Bariloche zu einer der größten Städte Patagoniens und einem der wichtigsten turistischen Zentren Lateinamerikas gewandelt. Die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe am Nahuel Huapi 1890 2000In einer Bevölkerungsstatistik der Umgebung des Nahuel Huapi vom Beginn des 20. Jahrhunderts wäre der Anteil dernenigen, die sich aus dem deutschen Sprachraum (Deutsche,Österreicher und Deutschschweizer) herleiten, sicherlich beträchtlich hoch. Dies ist hauptsächlich auf die aus dem Süden Chiles eingewanderten Deutschen zurückzuführen. Germán Kromer, Sohn deutscher Einwanderer, erzählte dass "manche Deutsche, die in Chile ankamen, ein wenig Geld zusammensparten und auf diese Seite herüberkamen, wo, wie man Ihnen erzählt hatte, sich ein schöner See befindet. Hier erhielten Sie von der Regierung für ein paar Pesos Ländereien zugeteilt, und auf diese Weise blieben viele in Argentinien.“ (Interview in “80 Jahre Deutsche Schule Bariloche“). Die Stadt Bariloche entwickelt sich aus der Niederlassung des Carlos Wiederholds (1895), einem chilenischdeutschen Händler aus den Kolonien Südchiles. Die Benamungen der jüngeren Vergangenheit erinnern an diesen Einfluss: die Berge mit der Bezeichnung “Otto” (Goedecke) und “Runge”, an deren Flanken sich die Stadt anschmiegt, tragen die Namen deutschstämmiger Siedlern. Die Gesellschaft "ChileArgentina", die zu Beginn des Jahrhunderts eine große Rolle spielte, hatte ihren Hauptsitz in Puerto Montt und ihre Teilhaber waren Chilenen deutscher Abkunft. Diese Gesellschaft gelangte dazu, den gesamten Handel zwischen der jungen Kolonie und den Häfen an der pazifischen Küste zu kontrollieren und verwaltete darüber hinaus mehr als 500.000 Hektar patagonischer Ländgüter (Vallmitjana, 2003). Von einer Bevölkerung von nahezu 400 Einwohnern im Jahre 1914 waren laut Volkszählung fast 70 deutscher Herkunft. In einer Liste von 28 sieben bis vierzehnjährigen Schülern der Deutschen Privatschule (“Colegio Alemán Particular”) aus dem Jahr 1916 finden sich 18 Familiennamen mit eindeutig deutschem Ursprung, doch nur einer, der achtjährige Francisco Ca praro, wird unter 22 Argentiniern und 5 Chilenen als Deutscher ausgewiesen. Dies ist ein gutes Beispiel für den Beginn einer Verzerrung, die es sehr erschwert, in späteren Volkszählungen die europäische Abstammung nachzuvollziehen (Schülerliste, 1916). Von dem ländlichen Mittagsessen während der Dreißigjahresfeier der Gründung von Bariloche auf dem Besitztum Runges am 8. Februar 1925 in Anwesenheit von Carlos Wiederhold ist eine Photographie erhalten (Vallmitjana, 1995, S. 84). Die Namen der auf dem Bild posierenden Familien zeugen von der heterogenen Zusammensetzung der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt: Boock, Pefaure, Crespo, Frey, Runge, Hagemann, Goedecke, Jung, Panozzi, Marquez, Vera, Rothschildberger, Winckler, Gingin, Suarez, Pizzuti und andere. Da die Feier einem Immigranten deutscher Herkunft und Gründer der Ortschaft galt, ist verständlich, dass sich eine beträchtliche Anzahl Bewohner dieser Abstammung unter den zu diesem Zeitpunkt ansässigen Familien einfand. Die Mehrheit zur damaligen Zeit widmete sich der Landwirtschaft und handwerklichen und kommerziellen Aktivitäten. 1937, als die Bevölkerung Bariloches bereits 2564 Einwohner erreicht hatte, ermittelte Ing. Frey 70 Personen deutschen oder schweizerischen Ursprungs, was 2,6% der Gesamtbevölkerung entsprach. Allerdings ist anzunehmen, dass auch diese Zahlen die wirkliche Situation verfälschen, wenn man bedenkt, dass unter den 1836 Argentiniern und 406 Chilenen sich ein erheblicher Prozentsatz von Bewohnern deutscher Abkunft befunden haben musste, wenn man die anfängliche Bevölkerungszusammensetzung dagegenhält. Aus diesem Grunde ist die bereits erwähnte Volkszählung Ljungers von 1934 von besonderem Interesse, die den Prozentsatz der Bewohner “germanischer” Abstammung in Bariloche auf 25% beziffert. Wenn man von einer Bevölkerung von 2500 Einwohner ausgeht, müssten die dieser Gruppe Zugehörigen bei etwa 600 liegen, eine Zahl, die von der Realität nicht allzuweit abweicht, wenn man sich die Angaben vom Beginn des Jahrhunderts zum Anwachsen der Stadtbevölkerung vor Augen hält. Sämtliche statistische Daten und Unterlagen von befragten Institutionen zeugen von einem Einschnitt in der Geschichte der Stadt Bariloche und ihrer Bevölkerungsgruppen in den vierziger und fünfziger Jahren. Eine detaillierte Analyse der Mitgliedschaft in den ersten Jahren des 1953 gegründeten DeutschArgentinischen Kulturvereins (Asociación Cultural Germano Argentina) gibt uns einen klaren Hinweis darauf, dass ein hoher Prozentsatz dieser Volksgruppe in diesen beiden Dekaden nach Bariloche kam, ein Phänomen, was mit den Ereignissen in Europa zusammenhängt. In den 60er Jahren stellt der deutsche Forscher Eriksen eine einzigartige wissenschaftliche Untersuchung über die Gegend an und veröffentlicht sie 1970. Darin sagt er folgendes aus: “Mit der kontinuierlichen Einwanderung von Zentraleuropäern in diese Gegend vor und nach dem zweiten Weltkrieg ist auch die Menge deutschstämmiger Einwohner gestiegen. Gegenwärtig (1966) beläuft sich die Einwohneranzahl dieser Herkunft auf ungefähr 2000 und damit auf 12% der geschätzten Gesamtbevölkerung Bariloches zu diesem Zeitpunkt” (Eriksen, 1970, S.127). Während dieser letzten Jahrzehnte haben sich die Einwohner deutschen Ursprungs an den vielfältigsten Aktivitäten innerhalb des sozialen Gefüges beteiligt. In dem Masse wie die Landwirtschaft in der Region zurückging wendeten sich viele kommerziellen Tätigkeiten, der Verwaltung von Ländereien, turistischen Unternehmungen oder dem Erziehungswesen zu und beeinflussten in starkem Masse den sportlichen Sektor, so z.B. den Skisport oder das Bergsteigen. Heutzutage, am Beginn des 21. Jahrhunderts, ist die deutschstämmige Volksgruppe Teil einer heterogenen lokalen Bevölkerung von mehr als 100.000 Einwohnern, die sich aus der Nachkommenschaft der originären Bevölkerung und derjenigen europäischer Abstammung zusammensetzt, und ihr Prozentanteil an der Gesamtbevölkerung ist sehr viel geringer als noch vor 100 Jahren. Eine näherungsweise Hochrechnung, die auf den Daten von vor 100 Jahren basiert, würde evtl. den Bevölkerungsanteil besagter Herkunft auf ca. 6000 Personen veranschlagen. Im Schlusssatz eines Kapitels seines Werkes und im getreuen Sinne der Denkweise seiner Epoche schreibt Eriksen 1966: “In Zukunft werden sich die internen Bindungen dieser Minoritäten lockern. Der argentinische Staat wird, wenngleich er diesen Prozess auch nicht fördert, die “Argentinisierung” dieser heterogenen Bevölkerung gerne sehen. Die Sprache ist ein starker Integrationsfaktor bei der Herausbildung einer kulturellen Identität innerhalb eines Staates, und daher ist es auch ein desintegrierender Faktor wenn die Minderheiten ihre ursprüngliche Sprache beibehalten.“ (Eriksen, 1970, S.128). Als logischer sozialer Entwicklungsvorgang „haben sich die Bindungen gelockert“. Dennoch aber hat die kleine familiäre deutsche Schule vom Beginn des Jahrhunderts fortbestanden, ist gewachsen und passte sich den Herausforderungen des rapiden Wachstums der Stadt an. Tatsächlich ist sie eine der wenigen Institutionen in Bariloche, die seit Beginn des Jahrhunderts Bestand hatte und sich erweiterte und stellt ein lebendiges Beispiel dafür dar, wie eine kleine Gruppe von Personen, die sich in einer entlegenen Ortschaft im Norden Patagoniens zur Bewahrung ihres kulturellen Erbes entschloss, ihr Vermächtnis über mehrere Generationen hinweg weitergeben konnte und sich gleichzeitig an die wechselnden Erfordernisse der neuen kulturellen und politischen Gegebenheiten Amerikas und Europas anpasste. Die "Deutsche Schule" 1907 1945 Am 20 Januar 1907 gründet eine Gruppe deutscher Siedler am Nahuel Huapi See die "Deutsche Kirchen und Schulgemeinde". Unter ihnen befanden sich Luis Horn, Cornelio Hagemann, Carlos Jürgens, Karl und Wilhelm Roeschmann, Hermann Haneck, Fritz Reichelt, Oscar Runge, G. Brauning, Emilio von Puttkammer und Primo Capraro, dessen Frau Deutsche war. Einige von ihnen gehörten dem leitenden Personal der „ChileArgentinien Gesellschaft“ (Sociedad ChileArgentina) an (Vallmitjana, 2003). Die Durchsicht der in deutscher Sprache abgefassten Protokolle besagter Versammlung gibt Aufschluss über die Beweggründe, die zu dieser Vereinigung führten. Aus der Namensgebung geht hervor, dass die Motive der Mitglieder sowohl religiöser als auch erzieherischer Natur waren, allerdings mit dem Akzent auf dem Bildungssektor, schon deshalb, weil „zunächst einmal auf die Konstruktion einer Kirche verzichtet wird und die Geldmittel zur Errichtung eines Klassenzimmers der Schule vorgesehen werden, die unter die Leitung eines deutschen evangelischen Pastors gestellt wird, der auch die Gottesdienste im selben Klassenraum abhalten wird“. Des weiteren ist in den Protokollen zu lesen: “Von allen anwesenden Vätern wurde die Deutsche Schule als dringend notwendig anerkannt, um die Kinder dem Deutschtum zu erhalten”. Ein deutscher Pastor Namens Holler aus Puerto Montt (Chile) erklärte sich liebenswürdigerweise bereit, zweimal im Jahr zu den Gottesdiensten herzureisen und überdies den Pastor Weil aus Frutillar (Chile) zu überzeugen, sich ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Letzteres ist ein deutlicher Beleg für die enge gemeinschaftliche Verbundenheit zwischen den deutschen Siedlern beiderseits der Anden. Ein weiteres interessantes Faktum ist der von den Anwesenden einstimmig angenommene Vorschlag, mit der „preussischen evangelischen Kirche” mit Sitz in Berlin Verbindung aufzunehmen. Die zweite Versammlung des Direktoriums findet am 14. Mai 1907 statt. Aus dessen Sitzungsbericht sind weitere interessante Daten zu entnehmen. Die ersten fünf Punkte handeln von religiösen Themen, die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen betreffend, Entgegennahme und Zuführung von Spenden, und das Problem der Gewinnung von Pastoren. Der 6. Punkt vermittelt Einsicht in die Absichten, die die Siedler mit der Schule verfolgten, und definiert ihre Bestimmung für die nächsten vier Jahrzehnte: "Es wird eine einklassige gemischte Volksschule eingerichtet, die für alle Konfessionen offengehalten wird“. „Um die deutsche Identität der Schule zu erhalten, werden Schüler anderer Nationalitäten in begrenzter Zahl aufgenommen“ (Protokoll vom 14. Mai 1907). 1907 nahm die Schule den Unterricht auf und bestand zu Beginn laut Register des Nationalen Bildungsrats vom Februar 1908, aus einem Klassenraum mit 35 m2, 20 Sitzplätzen und 5 Schülern. Sie wurde als “deutsche“ gemischte Landschule eingestuft, mit ganztägigem Unterricht und einem Unterrichtszyklus von September bis Mai. Das Gebäude gehörte Georg Hube und die Frage der religiösen und erzieherischen Versorgung wurde von der Gründergemeinschaft in Gestalt des Pastors W. Iwan gelöst, der von 1908 bis 1910 als Lehrer und zugleich als Pastor fungierte (bimestrale statistische Erhebung, Feb. 1909, CNE). Darauffolgende Sitzungen handeln von der Sammlung von Geldspenden für den Bau des Gebäudes, der Einschreibung des Besitztitels über den Baugrund, den Wechsel der Führungspersonen, die Auslösung religiöser Bücher, die im Zoll von Valdivia zurückgehalten worden waren und weitere Themen. Interessant ist hervorzuheben, dass religiöse Fragen einen großen Raum in diesen ersten Sitzungen des Direktoriums in Anspruch nahmen, und dass jede Sitzung mit einem Gebet eröffnet und geschlossen wurde. Etwa Mitte desselben Jahres (1909) ist in dem Schriftverkehr zwischen argentinischen Beamten die Rede von 14 Schülern in dieser „Hybridschule, die die einzige nationale Schule am Ort ergänzt“. In denselben Schreiben wird die historische Spannung spürbar zwischen einer kleinen Gemeinschaft, die beschließt, ihre Traditionen zu erhalten, und einer entstehenden Nation, die dieses Verlangen zwar respektiert, dennoch aber darauf besteht, ihre in der Ausformung befindliche eigene nationale Kultur zu fördern. Diese Spannung bleibt über diesen ganzen ersten Zeitraum bestehen und verschärft sich noch im Laufe der dreißiger und vierziger Jahre. In einer Sitzung des Jahres 1910 wird der Kauf des Hubeschen Grundstücks beschlossen und die Kosten des Baus der Schule erörtert. Die Diskussionen über die spärliche Verfügbarkeit von Grundbesitztiteln inmitten des Stadtzentrums geben Zeugnis von der räumlichen Beschränktheit der Ortschaft zu dieser Zeit. Die Dokumente lassen darüberhinaus eine Divergenz der Standpunkte erahnen. Noch im Protokoll vom 16. Juni 1910 wird die Auffassung bekräftigt, als religiöse und erzieherische Gemeinschaft weiterzubestehen, aber bereits im Jahr 1913 beginnen und enden die Sitzungen nicht mehr mit Gebeten, und in 1918 schliesslich hat sich die „Deutsche evangelische und schulische Gemeinde“ zur „Deutschen Schulgemeinde“ gewandelt. Jochen Lührs, Sohn eines der ersten Lehrer, äusserte: “Mein Vater kam aus der Gegend von Santa Fe, wo er bis 1906 den Lehrerberuf ausübte. Ihm gefielen die Berge, und als er 1911 nach Bariloche kam, entdeckte die deutsche Gemeinde, dass er Lehrer war und nahm ihn für die Schule unter Vertrag. Bis dahin hatten protestantische Pastoren, die sich vorübergehend in der Ortschaft aufhielten, die Kinder unterrichtet und gleichzeitig in Religion unterwiesen. Er übte diese Funktion bis nach 1920 aus, aber daran erinnere ich mich nicht mehr genau...”. Der Lehrer Enrique Lührs erscheint auf vielen Photographien dieses ersten Jahrzehnts. 1914 ist bereits die Anzahl der aufgelisteten Kinder der “Deutschen Privatschule“ (Colegio Alemán particular) auf 17 angewachsen, unter denen sich Oscar, Luis, Clara, Maria und Hilda Runge; Alberto, Emilio, Reent und Sara Jürgens; Arturo und Gustavo Winkler; Walter Heim und Francisco Capraro befinden. Die 28 Familiennamen der sieben bis vierzehnjährigen Schüler aus einer Liste des Jahres 1916 sind fast alle deutschen Ursprungs und ihr Alter weist darauf hin, dass mit Ausnahme von Capraro, alle auf amerikanischen Boden geboren wurden. In der Liste werden 22 Argentinier, 5 Chilenen und 1 Deutscher genannt. Höchstwahrscheinlich wurden auch die Eltern dieser Schüler in ihrer Mehrzahl in der Volkszählung ohne Rücksicht auf ihre ethnische Abstammung als Argentinier oder Chilenen registriert, obwohl es sich zumeist um Nachkommen deutscher Siedler aus dem Süden Chiles handelte. Aus diesem Grunde erschweren die nachfolgenden Volkszählungen, die nur zwischen Staatsangehörigkeiten unterscheiden, die Nachforschungen über die Anzahl Deutschstämmiger in der Gegend erheblich. Zur Illustration der Anfänge dieses familiären Kleinunternehmens in einer entlegenen Ortschaft in Patagonien sei ein Schriftstück der Deutschen Schulgemeinde Bariloche an die Autoritäten der nationalen Schulbehörde zitiert: “Der Direktor der Deutschen Schule schließt die Schule für eine Woche wegen eines Augenleidens, dessenthalben er sich genötigt sieht, sich für einige Tage auszukurieren und während dieser Zeit seine Aufgaben als Lehrer auszusetzen“. Ein Beleg von Februar 1920 gibt Kenntnis von der Ausgabe von 100 Anteilscheinen durch die Vereinigung “Deutsche Schulgemeinde” zum Eintreiben von Geldmitteln für den Erwerb der Grundstücke C und D des Gemeindegrundes: “Die Hälfte der Anteilscheine bleiben im Besitz des Vereins und die restlichen werden verkauft” (Beleg Nr. 79 , 8. Februar 1920). Ein Schreiben der Nationalen Schulaufsicht von 1924 berichtet von “24 Schülern, die regelmäßig am Unterricht teilnehmen”. Die niedrige Schülerzahl in diesen ersten Jahren spiegelt das langsame Wachstum der Ortschaft und die wirtschaftliche Lage seiner Bewohner wider, die der Sohn des Lehrers Enrique Lührs wie folgt zusammenfasst: “Das Problem waren die Löhne, weil die Mehrzahl der Leute kein Geld hatte und ihn (den Lehrer) mit Käse, Milch, Brennholz, usw. bezahlten. Diejenigen, die dazu imstande waren, sparten ihr Geld lieber bei der Kooperative, die sich konstituiert hatte“. Die während der folgenden Jahre in Umlauf gesetzten Schriftstücke der Nationalen Schulaufsicht legen besonderen Nachdruck auf die Gestaltung der Feiern anlässlich der nationalen Gedenktage. In Liedern wie “Argentinien, mein Vaterland!”, “Argentinien, schönes Vaterland!” oder “An das Vaterland Argentinien!” drückt sich die Absicht der Staatsführung aus, den Einwohnern die Symbole der neuen Nation einzuprägen. Ein von Max Tepp gezeichnetes Schreiben vom 15. Oktober 1927 berichtet: “In drei festlichen Anlässen erwiesen wir in Dankbarkeit Ehre und Respekt seitens unserer Deutschen Schule gegenüber unserer Nation Argentinien“. Max Tepp leitete die Schule in den Jahren 1927 und 1928. Neben seinem Lehrerberuf war er ein ausgesprochen produktiver Schriftsteller, und sein Aufenthalt in der Region befruchtete sein späteres Werk in starkem Masse. Bücher wie “Tanahuen, das Indianermädchen vom Nahuel Huapi“ (“Die Indianerkinder in der Löwenhöhle“), das die Abenteuer zweier eingeborener Kinder in der Gegend des Nahuel Huapi Sees erzählt, und “Bäume und Sträucher der patagonischen Kordilleren“ (“Bäume und Blumen am Nahuel Huapi”) beabsichtigten, die Kinder der deutschen Schulen an ihre neue amerikanische Umgebung heranzuführen und sind auch heute noch Lektüre von Jnugendlichen und Spezialisten. Im Vorwort des erstgenannten Buches heisst es: “Tanahuen lernte ich in den Jahren 1927 und 28 an dem Ort, wo sich die Geschichte abspielt, kennen. Der Inhalt der deutschsprachigen Textbücher in Argentinien ist noch keiner gründlichen Untersuchung unterzogen worden, jedoch wissen wir, dass in der dreissiger Dekade aus verschiedenen Gründen damit begonnen wurde, verstärkt auf Bücher zurückzugreifen, die die lokale Umgebung der Kinder reflektierten. ("Was die Lesebücher anbelangte, so war der Deutsche Lehrerverein zu der Erkenntnis gekommen, dass man den Schülern im Deutschunterricht nicht nur die aus Deutschland gebrachten Bücher vorlegen müsse, sondern auch solche, welches dem Erlebniskreis und der Umwelt der Schüler entsprachen"). Gegen Ende der dreißiger Jahre verkomplizierte sich die Weltlage und dies wirkte sich auf das Verhältnis der europäischen Bevölkerungsgruppen und ihrer Schulen mit den nationalen Behörden aus. Ein Rundschreiben vom Oktober 1938, das der Deutschen Privatschule Bariloche zugestellt wurde, legt die Regeln für Schulen fremder Sprachen und Religionen im einzelnen fest. Unter den sieben Punkten findet sich auch dies: „Ein der Mentalität der Schüler angepasstes Arbeitsprogramm über die Präambel und den ersten Teil der Verfassung“ (Deklaration der Rechte und Garantien) aufzustellen, und “es ist den anderssprachigen Schulen untersagt, öffentliche Propaganda von politischen oder rassistischen Ideologien in privater oder verdeckter Form zu betreiben wie auch den Kindern Verhaltensweisen oder Gedankengut zu vermitteln, die mit den Grundprinzipien und Vorschriften der Verfassung des Landes unvereinbar sind. Im August 1939 erlaubt die nationale Schulaufsichtsbehörde die Wiedereröffnung der Schule nach einer kurzfristigen Schließung. Ein Schreiben der Schule vom 25. desselben Monats stellt fest, dass sie “weiterhin den Traditionen ihrer Gründung im Jahr 1907 treu bleiben wird und sich weiterhin “Deutsche Schule” (“Colegio Alemán”) nennen wird”. Die von der “Deutsche Schule” verfolgten Ziele sind die Unterrichtung der deutschen Sprache und die Förderung der kulturellen Verbundenheit zwischen den beiden großen Nationen: Der Republik Argentinien und Deutschland. Der Unterrichtsplan lehnt sich an die Methoden der deutschen Schulen des Landes an und folgt darüberhinaus den Vorschriften des Ehrenwerten Bildungsrats der Nation (H. Consejo Nacional de Educación) vom 28. September 1938. „Schüler der Deutschen Schule können sein: Alle Jungen und Mädchen, die den Besuch einer nationalen argentinischen Schule nachweisen“. Die Vereinigung nannte sich “Deutsche Schulgesellschaft”. Ihr gehörten im Januar 1940 33 Schüler an. Über die letzten Jahre vor 1945, als der Schule per Dekret Nr. 7032 die Schliessung verordnet wurde, besteht nur spärliche Information. Dagegen gibt es einen deutlichen Nachweis für die Aufnahme zahlreicher neuer Mitglieder seit den dreissiger Jahren bis zur Schliessung. Diese sind Teil der bedeutenden Immigrationsbewegung aus dem deutschen Sprachraum zwischen dem Ende des ersten Weltkrieges bis fast zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Statistischen Berechnungen zufolge handelte es sich um nahezu 140.000 Personen (Volberg, 1981, S. 8). In diesem Zeitraum treffen u.a. Meiling, Brandstätter, Franzgrothe, Heinzle, Streubinger, Diem und Nöbl ein. Diese neuerliche Einwanderungswelle erklärt sich aus der Attraktion der Möglichkeiten, die sich aufgrund der neuen Kommunkationsmedien und dem sich entwickelnden Turismus in der Gegend boten. Das Ende dieser ersten Etappe wurde durch Ereignisse besiegelt, die mit der kleinen deutschen Gemeinde am Nahuel Huapi überhaupt nichts zu tun hatten. Seit 1907 übte die Deutsche Schule ihre Tätigkeit über 40 Jahre hinweg aus, und die Schülerzahl hielt sich stabil zwischen 20 und 35, einer eher konservativen Anzahl, deren Ursachen teilweise in der Stagnation des Bevölkerungswachstums der Ortschaft in diesen ersten Jahren und auch in der Entscheidung der Gründer zu suchen ist, die Aufnahme der Kinder anderer Nationalitäten zu begrenzen, ein Umstand, der noch eingehender untersucht werden müsste. Am 26. Januar 1944 bricht die argentinische Militärregierung die diplomatischen Beziehung zu Deutschland ab, und am 27. März 1945 erklärt Argentinien Deutschland den Krieg. Am 31. März werden, laut Verordnung Nr. 7032 der argentinischen Regierung, alle deutschen Unternehmen und Vereinigungen unter die Aufsicht des “Verwaltungsrates für feindliches Kapital“ gestellt. Nahezu alle deutschen Schulen werden beschlagnahmt. Im Jahre 1951 endet der Kriegszustand mit Deutschland und 1957 schliesslich werden die beschlagnahmten Besitztümer und Kulturgüter deutscher Unternehmen und zivilen Vereinigungen durch Verordnung zurückerstattet..
Die Deutsche Schule 1953 2003 Der neuerliche europäische Zustrom nach Bariloche seit den dreißiger Jahren nahm Einfluss auf die bereits angestammte deutsche Gemeinde und setzte sich mit neuem Nachdruck für die Erhaltung des kulturellen Erbgutes ein. Am 7. Februar 1953 versammelt sich eine Gruppe Deutscher und Deutschstämmiger mit dem Ziel der "Fortsetzung des im Jahre 1907 begonnenen kulturellen Werkes". Darunter befanden sich auch verschiedene Mitglieder der vorhergehenden Vereinigung. Man wählt eine Kommission unter Vorsitz von Heriberto R.G. Reichart, der u.a. angehören: Max Naumann, Jorge Stang, Antonio Perner, Norberto List, Jorge von Lucken, Luis Runge, Ernesto Schumacher, Rohr, Kaltschmidt und Groth. Beispielhaft für die Bedeutung, die die Gemeinde der Kontinuität des kulturellen Vermächtnisses der Väter und Grossväter zumisst, ist in dem Sitzungsprotokoll zu lesen: „Zweihundertein Aufnahmeanträge in die Vereinigung werden gestellt und – getragen von der allgemeinen Begeisterung – machen die Antragsteller spontane Zuwendungen“.In der ausserordentlichen Generalversammlung vom 25.April 1953 wird die Bezeichnung “DeutschArgentinischer Kulturverein“ (Asociación Cultural GermanoArgentina de Bariloche) beschlossen und die Statuten festgelegt. Die Artikel 2 und 3 definieren die Ziele. Art. 2 besagt: „Die Vereinigung hat zum Ziel, die von den deutschsprachigen Gebieten herrührenden Kulturgüter zu pflegen als integralen Bestandteil des kulturellen Erbes Argentiniens“. Art. 3: „Besagtes Ziel wird errreicht durch: 1. Künstlerische, wissenschaftliche und soziale Zusammenkünfte ; 2. Schulbildung; 3. Sport und Leibesertüchtigung.” Am 8.Juli 1953 beschliesst die ausserordentliche Generalversammlung: “Angesichts der in der Region bestehenden schulischen Erfordernisse“ eine Schule zu gründen, die „die ofizielle argentinische Schulbildung mit den Interessen der deutschsprachigen Bürgerschaft vereint“. Es wird eine private Primarschule bis zum 4. Schuljahr vorgeschlagen, der jährlich eine weitere Klasse bis zum 6. Schuljahr hinzugefügt wird. In derselben Versammlung informiert Herr von Lücken über das Ende der vorhergehenden Deutschen Schule und weist darauf hin, dass sich sowohl das Grundstück als auch das Gebäude seit 1922 im Besitz der Firma Lahusen & Co. befinden und dass die Vorgängervereinigung nicht den Status einer juristischen Person innehatte. Die Fa. Lahusen gab zu verstehen, dass sie das Grundstück der vorhergehenden Schule an die Vereinigung abtreten werde, sobald diese als juristische Person anerkannt sein wird. Da der Neubau einer Schule die momentan vorhandenen Mittel übersteigen würde wird beschlossen, ein Gebäude zu diesem Zweck zu mieten. Im Sitzungsbericht vom Februar 1957 (Sitzungsbericht Nr.6, S.48) „bringt der Sekretär zur Kenntnis, dass das Büro SchenzleViano die Urkunde der Statuten der Vereinigung zugestellt hat, wovon die letzten beiden Seiten die Kopie des Regierungsdekretes Nr 21459 vom 27. November 1956 enthalten, worin uns die Juristische Person zugebilligt und die Statuten angenommen werden, ein im Interesse unserer Identität sehnlich herbeigewünschtes Ziel“. Am 13 Mai 1957 wird der Fa. Lahusen y Cía Ltda. ein Schreiben zugeleitet, das über den Erwerb der Juristischen Person informiert und – nach Erfüllung der Vorbedingung – um die Übertragung des Besitztitels an dem Grundstück nachsucht, auf dem das Gebäude der Vereinigung errichtet wird, dessen Einweihung Ende der Dekade stattfindet. Aus der vorliegenden Dokumentation über die Anfänge dieser Vereinigung spricht der grosse Enthusiasmus, der seine Integranten beseelte. Die Versammlungen endeten zum grossen Teil mit Tänzen, die bis in die Morgenstunden andauerten, und die intensive soziale Aktivität gibt einen Hinweis auf die engen Bindungen, die sich zwischen den Mitgliedern herausbildeten. Ohne Zweifel hatte die gemeinsame kulturelle Identität dieser Deutschen und Nachfahren von Österreichern und Deutschen grossen Einfluss auf die Beziehungen, die damals geknüpft wurden. Das Bedürfnis, in der Weitervermittlung dieser gemeinsamen Kultur fortzufahren, brachte sie – genauso wie die Deutschen und Nachkommen von Deutschen von 1907 – dazu, die Schule neu zu gründen. Ein statistischer Vergleich von grossem Interesse ist die Gegenüberstellung der Schülerzahl in der ersten Etappe von 1907 bis 1945 und derjenigen der zweiten Etappe ab 1953. Während der ersten Etappe wurde auch in den besten Jahren die Zahl von 40 nie überschritten, wohingegen in 1956 die Schule „Primo Capraro“ bereits 220 Kinder in den Klassen und 49 im Kindergarten unterrichtet, und dies drei Jahre nach ihrer Gründung! Während in der ersten Etappe die Errichtung einer kleinen Schule viele Jahre in Anspruch nahm, konnte man 1956 bereits davon sprechen, dass „die Einnahmen aufgrund der grossen Schülerzahl beträchtlich zunahmen, was den Bau eines eigenen Schulgebäudes erlaubte“, das dann auch noch vor Ende des Jahrzehnts eingeweiht werden konnte. Die Zahl von 269 Schülern ist ein Abbild des Anwachsens der Stadt, die 1955 bereits mehr als 10.000 Einwohner zählt. Die deutschsprachige Gemeinde profitierte einerseits von diesem Wachstum durch den Zustrom eigener Mitglieder, und andererseits durch die Erneuerung der Bindungen mit der deutschen Kultur, deren frischer Elan mit aller Deutlichkeit zutage trat in dem gemeinschaftlichen Werk der kommenden Jahrzehnte. 1980 findet die Einweihung der Sekundarschule statt und 1993 wird das Hochschulstudium (Nivel Terciario) aufgenommen, deren aktuelle Schülerzahlen bei 250 bzw. 210 liegen. Die Lehranstalt „Colegio Primo Capraro“ zählt gegenwärtig insgesamt 863 Schüler (Bilanz 2003). Das Mitgliederregister von 1953 bis zur Gegenwart hat sich als interessante Datenquelle erwiesen, deren Studium uns zu vielseitigen Schlüssen hinführt. Zum ersten belegen die 266 Mitglieder des Jahres 1953 sowie die 381 von 1960, allesamt deutschen Ursprungs, den Immigrationszuwachs um die Jahrhundertmitte und den grossen anfänglichen Enthusiasmus. Von diesem Jahrzehnt ab hält sich die Mitgliederzahl auf ungefähr demselben Niveau um 200, mit einem maximum von 322 in 1972 und einem Abfall auf 138 in 2003. Der Prozentsatz Deutschstämmiger in den Listen liegt bei nahezu 100% und es kann davon ausgegangen werden, dass alle Integranten dieser Listen deutsch sprachen. Zum gegnwärtigen Zeitpunkt lässt sich dasselbe von 80% der Integranten sagen, allerdings unter Hinweis darauf, dass die Mitgliederzahl von 2003 nur ein Drittel der jenigen der 50er Jahre ausmacht. Seit der zweiten deutschen Einwanderungswelle der Jahrhundertmitte sind inzwischen mehr als 50 Jahre vergangen. Seither gab es keinen neuen Migrationszuwachs mehr und aus diversen wirtschaftlichen und kulturellen Gründen hat ein beträchtlicher Teil von Kindern und Enkelkindern der deutschsprachigen Einwanderer die Region verlassen, um sich in grösseren Städten oder dem Ausland niederzulassen. Das Zusammenwirken beider Faktoren wird spürbare Konsequenzen auf die Entwicklung der Schule in den kommenden Jahrzehnten haben. Mitte der sechziger Jahre schreibt Eriksen: “Von den 190 Mitgliedern des DeutschArgentinischen Vereins in Bariloche sind 95 Deutsche, die übrigen Österreicher, Schweizer und Argentinier”. Desweiteren heusst es dort, dass die deutsche Schule 1965 von 271 Schülern besucht wurde, von denen 82 Deutsch sprachen, was etwa 30% entspricht. Aufgrund einer bemerkensweerten Umfrage in der Schule kommt der Autor zu dem Schluss, dass „noch immer unter der Elternschaft der Schüler ein interessanter Pluralismus von Nationalitäten herrscht, ähnlich demjenigen zu Beginn des Jahrhunderts“, stellt aber auch klar, dass „nicht viele Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Nationalitäten bestehen“, eine Sichtweise, die heutzutage als rassistisch eingefärbt gelten würde, und kommt schliesslich zu der Aussage, dass „obwohl die Umfrage ein kleines Universum innerhlab der Schule zutage brachte, dennoch weiterhin eine Tendenz zu Gruppenbildungen aufgrund der nationalen Zusammengehörigkeit zu erkennen ist“ (Eriksen, 1970, S. 120). Unbestreitbar ist, dass auch auf diesem Gebiet heute, am Beginn des 21 Jahrhunderts, sich ein Wandel vollzogen hat, dies zeigen die aktuellen Daten. Von den zusammengenommen 600 Schülern, die auf Primar und Sekundarstufe in der Schule unterrichtet werden, sprechen gerade einmal 20 deutsch bei sich zuhause. Dieses Phänomen ist unschwer zu erklären. Einerseits haben die Möglichkeiten von Universitätsstudium, Beschäftigung und Karriere in einer zunehmend globalisierten Welt über die vergangenen Jahrzehnte hinweg eine grosse Zahl von deutschsprachigen Jugendlichen dazu bewegt, der Stadt den Rücken zu kehren. Andererseits ist der Zuzug von Immigranten vollkommen zum Stillstand gekommen, und die jüngeren Generationen haben sich in ihrer Mehrheit für eine Heirat ausserhalb ihrer landsmannschaftlichen Vereinigungen entschieden. Für sie ist die Bewahrung von Sprache und Traditionen ihrer Väter und Grossväter schwieriger geworden und vielleicht auch nicht mehr so vorrangig wie für die Siedler, die um 1900 in die Region kamen und diejenigen, die mit der zweiten Welle in den 30er Jahren und später eintrafen. Allerdings, und trotz all dieser Faktoren, spielt die “Deutsche Schule” in Bariloche heute eine überragende Rolle für das Gemeinwesen. Die Absichten der ersten Einwanderer, die Sprache und ihre Traditionen zu erhalten, haben sich in dem Masse gewandelt wie die Welt sich in den letzten Dekaden des Jahrhunderts verändert hat. Eventuell fühlten sich die die ersten Einwanderer entwurzelt durch den Verlust der heimatlichen Bindungen und waren auf der Suche nach einem „Paradies in aller Ursprünglichkeit“, doch die Mehrzahl sah sich, zumindest nachdem sie bereits „amerikanische“ Kinder hatten, gezwungen, sich nach und nach einer neuen Kultur anzupassen und infolgedessen ihre Beziehung zu einem sich ebenfalls wandelnden Durschland neu zu definieren. Dennoch existierten diverse Faktoren, die bewirkten, dass diese Gruppe sich anfänglich in einem ziemlich geschlossenen ethnischen Raum bewegte, in sich gekehrt und der Nostalgie hingegeben: Die Region um den Nahuel Huapi See war abgelegen, die Bevölkerungszunahme stagnierte, die geographischen und klimatischen Gegebenheiten glichen denjenigen in ihrem Herkunftsgebiet, die Mehrzahl der Einwanderer waren Europäer und die angestammte lokale Bevölkerung war fast vollständig verschwunden. Heute, bei einer Einwohnerzahl von mehr als 100.000 und einem laufend weiter wachsenden Bedarf an „kulturellem Pluralismus“, kommt den Nachkommen der damaligen Siedler und ihrer Schule eine neue Rolle zu. Um den Kreis der ethnozentrischen Deklarationen jener ersten Siedler abzuschliessen, die von sich sagten: „Mit unserer Sprache steht und fällt unsere Identität“, sei ein Zitat des Philosophen Wittgenstein zitiert: “Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“. In Wirklichkeit öffnet uns jede neu gelernte Sprache eine neue Welt, bereichert unsere Wahrnehmung, schafft neue Beziehungen zu neuen Kulturen und erweitert unsere beruflichen Möglichkeiten. Dasselbe Ziel unter anderer Perspektive! Der Dichter und Schriftsteller René Depestre drückte es in aller Klarheit aus: „Ich habe bewiesen, dass die auf einer einzigen Wurzel beruehende Identität ein ethnonationalistisches Dogma ist und dass wir uns darauf einstellen müssen, in Zeiten multipler Identität und einheitlicher weltumspannender Kultur zu leben...“ (R. Depestre, 1996). Die ersten Einwanderer haben wahrscheinlich nicht im Traum daran gedacht, dass ihre kleine Schule sich im Verlauf des Jahrhunderts in eine Brücke verwandeln würde hin zu neuen Möglichkeiten für eine wachsende Zahl von Schülern, die keine deutsche Abstammung vorweisen. Diejenigen von Mitte des Jahrhunderts möglicherweise vermochten dies, da sie in der geschichtlichen Entwicklung der zunehmenden Globalisierung des auslaufenden Jahrhunderts näher standen. Heutzutage ist unstreitbar, dass das Erlernen mehrerer Sprachen und die „interkulturelle“ Erziehung unabdingbar sind für die persönliche und berufliche Zukunft eines jeden Schülers und mithin auch für die Zukunft des Landes. Die europäische Identität der Schule erfüllt heute diese Funktion, die im übrigen nicht allzuweit entfernt ist von ihren Anfängen: Ein Gemeinwesen mit kultureller Vielfalt zu bereichern.
(1) Eriksen, 1970 , " Die Zahl der Deutschen ist vergleichsweise klein. Es ist zu vermuten, dass viele Deutschstämmige Siedler, die aus Chile einwanderten, als Chilenen gezählt wurden." , S. 117. (2) Eriksen, 1970, “Vergleicht man jeweils die Nationalität von Mutter und Vater des Schülers, so fällt der geringe Anteil der “Mischehen“, d.h. Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Nationalität auf (8 von 56 Ehen). Diese Tatsache lässt – wenn auch nur durch ein kleines Zahlenmaterial belegt – auf eine gewisse Neigung zu stärkerem Zusammenhalt der Gruppen gleicher Nationalität schliessen. Natürlich ist auch zu berücksichtigen, dass einzelne Eheschliessungen schon vor der Ein und Zuwanderung erfolgt sind. –S. 120. (1) Eriksen, 1970 , " Die Zahl del Deutschen ist vergleichsweise klein. Es ist zu vermuten, dass viele Deutschstämmige Siedler, die aus Chile einwanderten, als Chilenen gezählt wurden." , S. 117 . (2) Eriksen, 1970, " Vergleicht man jeweils die Nationalität von Mutter und Vater des Schülers, so fällt der geringe Anteil der "Mischehen ", d.h. Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Nationalität auf ( 8 von 56 Ehen). Diese Tatsache lässt wenn auch nur durch ein kleines Zahlenmaterial belegt auf eine gewisse Neigung zu stärkeren Zusammenhalt der Gruppen gleicher Nationalität schliessen. Natürlich ist auch zu berücksichtigen, das einzelne Eheschliessungen schon vor der Ein und Zuwanderung erfolgt sind. , S. 120.
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